Als Neuzugang unzählige Fragen

Allgemeine Fragen und Gespräche rund um Diabetes
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candle
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Als Neuzugang unzählige Fragen

Beitrag von candle »

Hallo!
Mir purzeln viele Fragen durch den Kopf.
Vielleicht hat ja Jemand Lust zur Aufklärung sodass ich mehr zum Thema weiss.
Und geht es auch ohne zu medizinisch komplizierte Erklärungen?
Also denkt ihr redet/schreibt einem Erstklässler in Sachen Diabetes!
:?:
1.Wieviele Typen von Diabetes gibt es?
2.Wie wird festgestellt welcher Typ bei mir vorliegt?
3.Ist bei Insulingabe auch manchmal noch die Kombi mit Tabletten nötig?
4.Muss ich den zu mir passenden Wirkstoff erst suchen?
5.Gilt es bei der Ernährung nun Spezielles zu beachten?
(Ich habe viel abgenommen, bin bei 160cm nun bei 45,5 kg gelandet.)
6.Wirkt sich die Einnahme von anderen (für mich notwendigen) Medi auf Diabetes aus?
7.Wie reagierte euer Umfeld und auch ihr bei Bekanntwerden der Diagnose?
8. Wie oft ist ein Kontrollbesuch beim FA für Diabetes nötig?

Danke!
candle
Später kommen bestimmt noch andere Fragen hinzu.

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Herr_Koch
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Re: Als Neuzugang unzählige Fragen

Beitrag von Herr_Koch »

Hoi Candle

Grundsätzlich ist in Sachen medizinischer Fragen deine Ärztin, dein Arzt zuständig. Denn bei Diabetes ist es so, dass es sicher viele Gemeinsamkeiten bei den Betroffenen gibt, am Ende ists aber bei jedem wieder individuell. Eine beliebte Frage in Foren (gäll, hut) ist zB. wie viel Insulin man für etwas spritzt. Dies ist so nicht zu beantworten. Denn der eine braucht Menge X, der andere Menge Y. So ists bei vielen Sachen. Oft lautet die Antwort "Ja, es kann ..." oder "Je nachdem".

Aber ok. Du bist neu im Club und möchtest dich etwas orientieren, das versteh ich. Ging mir damals nicht anders. Ich versuche mal, einige deiner Fragen zumindest teilweise zu beantworten.

1. Es gibt einige verschiedene Typen von Diabetes. Grob unterschieden werden Typ 1 und Typ 2. Beim Typ 1 handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit, bei der das Immunsystem die Zellen, die Insulin produzieren, angreift. Es muss also zwingend Insulin von aussen zugeführt werden. Meist tritt dieser Typ im jugendlichen Alter auf. Aber eben, meist. Ich bekams mit 26, der hochgeschätzte Admin hier war wohl noch ein paar Jahre später dran.
Beim Typ 2 ist an sich genug Insulin vorhanden, zumindest am Anfang, aber durch die Insulinresistenz kann es nicht so wirken, wie es soll. Diese Form hat genetische Ursachen und wird durch einen nicht so optimalen Lebenswandel gefördert. Was aber nicht heisst, dass jeder, der Typ 2 hat, dick ist oder dass jeder, der dick ist, Typ 2 hat. Dies sind, stark vereinfacht, die beiden Haupttypen.
Dann gibts noch Schwangerschaftsdiabetes, Lada, verschiedene Untertypen ... am Ende ist mir persönlich nicht so wichtig, wie der Typ nun genau heisst. Viel mehr zählt, dass man die für sich beste Therapieform findet. Hier findest du noch den Wikipedia-Artikel zum Thema.

2. Ob Diabetes vorliegt, wird meist mit einem oralen Glukosetoleranztest festgestellt. Hierbei wird eine zuckerhaltige Lösung getrunken und dann in bestimmten Abständen der Blutzucker gemessen. Verläuft die Zuckerkurve nicht so, wie sie sollte, besteht der Verdacht auf Diabetes. Den Typ 1 kann man mit einer Antikörperbestimmung feststellen. Allerdings gibts Typ-1-Diabetiker ohne Antikörper. Wie zB. mich. Dass ich Diabetes hab, wurde aufgrund einer Blutzuckerentgleisung im Spital festgestellt. Da brauchte es dann keine grossartigen Tests mehr ... die Blutzuckerwerte waren Beweis genug.

3. Das kann sein. Ob und wie das bei dir der Fall ist, solltest du mit deinem Arzt besprechen.

4. Ja, allerdings ist auch das die Aufgabe deines Arztes, die für dich am besten passende Medikation zu finden. In Zusammenarbeit mit dir, natürlich.

5. Essen soll gesund sein, nahrhaft, abwechslungsreich – und schmecken. Das gilt nicht nur für Diabetiker, sondern für alle Menschen. Insofern gibts aufgrund einer Diabetes-Erkrankung keine speziellen Vorschriften mehr. Aber jeder merkt für sich, was ihm in Bezug auf Diabetes gut tut. Ich zB. habe Mühe, meinen Blutzucker im Zaum zu halten, wenn ich mittags Kohlenhydrate esse. Darum verzichte ich meist darauf. Am Abend hab ich weniger Probleme. Das ist aber individuell. Und auch, ob und wie man darauf reagiert.

6. Eventuell. Das sollte wiederum mit dem Arzt besprochen werden.

7. Für mich persönlich wars gut, zu wissen, warum es mir wochenlang dermassen scheisse ging. Und dass mans behandeln, resp. damit leben kann. Manchmal hab ich Mühe mit der Krankheit, meist gehts ganz gut. Ich finde, es ist wichtig, dass man sich rasch damit arrangiert, denn man wirds voraussichtlich sein Leben lang mit sich rumtragen. Je schneller man damit klarkommt, desto besser.
Mein Umfeld hat grundsätzlich neugierig reagiert. Weil die meisten Diabetes nur vom Hörensagen kannten. War bei mir auch nicht anders. Ich hab dann Fragen beantwortet und von Anfang an klargestellt, dass man keine Rücksicht auf mich nehmen soll. Drum ists recht entspannt.

8. Die meisten Diabetiker gehen alle drei Monate zum Arzt. Ob das jetzt ein Hausarzt oder ein Diabetologe ist, ist individuell. Ich hatte rund zehn Jahre keinen Diabetologen, erst als ich das Freestyle Libre wollte, brauchte ich einen. Und zum Arzt geh ich mehr oder weniger halbjährlich. Mein Zucker ist gut eingestellt, also brauch ich keine Kontrolle alle drei Monate. Aber das ist, wie so vieles, auch wieder individuell zu betrachten.

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swissphoenix
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Re: Als Neuzugang unzählige Fragen

Beitrag von swissphoenix »

Hi Candle

stimme Herr_Koch zu,

1: es gib viele uneterschiedliche typen, für mich ist das aber unwichtig da ich eher auf die art schaue wie behandelt wird. insulin oder tabletten/ ernährung
8: bei mir war die zeitspanne unterschiedlich, am anfang alle 3 monate, alls ich wirklich gute werte hatte wurde es auf 6 monate verlänger und jetzt sind die werte nicht mehr ganz so gut also wieder bei 3 monaten. dazu kommt noch der augenarzt min 1 mal im jahr dazu und mein zahnarzt weiss auch bescheid das ich diabetes habe da es hier auch probleme geben kann.

ich sag immer am anfang muss man ausprobieren wie der eigene körper auf etwas reagiert, das ist bei jedem unterschiedlich, bei einem geht der BZ hoch nach sport beim anderen runter. bei lebensmittel das selbe, jeder ist da induviduel.

falls es dir möglich ist komme an unser treffen, da kannst du fragen auch direkt stellen und sehen wie unterschiedlich jeder mit seinem diabetes umgeht und das wichtigste das wir alle spass am leben haben auch mit dem diabetes
Wer mich sucht der wird mich bei Twitter finden @swissphoenix_ch oder auch auf facebook

candle
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Re: Als Neuzugang unzählige Fragen

Beitrag von candle »

Hallo!
Danke für eure Antworten!

Leider kann ich nicht zum Treffen kommen.
Ich wohne ein wenig weiter weg, in Skandinavien.
Und kurz eine Reise zu diesem Termin ist nicht möglich.
Gerade zu dieser Zeit haben wir Karten für ein Konzert, welches Viele zu gerne besuchen würden.

Angerufen habe ich heute, um einen KH-Aufenthalt klar zu machen.
Am Mittwoch ist nach langer Wartezeit ein Besuch beim Augenarzt.
Mal sehen welches Ergebnis es bringt.
Die Sehqualität hatte sich mit Beginn der Einnahme bestimmter Tabletten verschlechtert.
Nun, nach Diabetes-Diagnose und Tabletteneinnahme schwankt der BZ-Wert hin und her.
Genauso ist es nun mit der Sehqualität.
Mal ist bei einem Wert das Sehen qualitativ schlecht und ein anderes Mal beim gleichen Wert wunderbar.

candle

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hut
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Re: Als Neuzugang unzählige Fragen

Beitrag von hut »

Den Ausführungen von Herr_koch und Swissphenix kann ich eigentlich nichts hinzufügen.
Zu den Diabetes-Typen hat diabetesclub.ch am 26. Januar 2020 eine Publikation online gestellt: viewtopic.php?f=14&t=189&start=990 Beitrag von 26. Januar 2020

Herzliche Grüsse nach Skandinavien :thumbup:
Wer einen Tippfehler findet, darf ihn behalten, ich besitze noch einen genügenden Vorrat davon!
diabetesclub.ch
. ist auch auf Facebook:
https://www.facebook.com/diabetesclub.ch
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Re: Als Neuzugang unzählige Fragen

Beitrag von candle »

1.Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Wirkung von Insulin-Pumpe und Pen?
2. Was passiert wenn stetig am Abend der BZ-Wert zu hoch ist?

candle
(Eigentlich dachte ich, dass es zu Diabetes viele Foren, von guter Qualität gibt,
musste aber feststellen das es genau so wenige wie bei meiner anderen Krankheit sind.)

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hut
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Re: Als Neuzugang unzählige Fragen

Beitrag von hut »

Mit Pens werden im Normalfall zwei verschiedene Insuline verwendet.
Basalinsulin (langwirkendes Insulin), welches die Grundversorgung mit Insulin abdeckt. Basalinsulin wird in der regel nur einmal täglich gespritzt.
Bolusinsulin (kurzwirkendes Insulin), welches die eingeommenen Kohlenhydrate insulinisiert, damit wird der beim Essen notwendige Isulinbedarf abgedeckt.

Die Insulinpumpe gibt kontinuierlich kleine, bestimmbare Mengen eine kurzwirksamen Insulins ab, dadurch ist kein zusätzliches Basalinsulin nötig. Für Mahlzeiten wird ein entsprechender Bolus (eine gewisse Menge Insulin abgegeben. Insulinpumpen rekonstruieren weitgehend die physiologische Insulinabgabe.

Hohe abendliche Blutzuckerwerte können verschiedene Ursachen haben:
  • Nachlassen der Wirkung des Basalinsulins
  • allenfalls höherer Insulinbedarf am Abend, d.h. dass 10 Gramm Kohlenhydrte vielleicht höher insulinisiert werden müssen
  • Essgewohnheiten
  • Vielleicht keine Bewegung nach dem Abendessen
Dauernd hohe Werte am Abend müssen unbedingt beobachtet und mit dem Arzt besprochen werden.
candle hat geschrieben:
Do 13. Feb 2020, 18:01
(Eigentlich dachte ich, dass es zu Diabetes viele Foren, von guter Qualität gibt,
musste aber feststellen das es genau so wenige wie bei meiner anderen Krankheit sind.)
Ich hoffe, dass du mit der Qualität unseres Forums zufrieden bist .... Sonst bitte Kritik anbringen.
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Re: Als Neuzugang unzählige Fragen

Beitrag von candle »

Danke für die Aufklärung!
Als "neu eingetroffenes Anhängsel" muss ich die Krankheit nun erstmal richtig kennen lernen.
Jedoch nehme ich sie schneller an als meinen "anderen Begleiter."
Da brauchte es sehr lange Zeit (Jahre) um die Krankheit anzunehmen.

Dieses Forum gibt mir Halt.
Es ist wertvoll für mich.
So kann ich Vieles erfahren ohne erst lange Bücher zu lesen.
Und ich weiss das von Betroffenen zu lesen besser ist als jegliche "trockene" Lektüre.

candle

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